Windbedingte Beeinflussungen

Das Einsatzgebiet eines Hundes ist weitläufig. Auf den weiten Flächen zeigt es sich, dass er durch seine Wendigkeit, Schnelligkeit und seinem Geruchssinn uns um einiges voraus ist. Doch ist es noch ein großer Unterschied die Fähigkeiten des Hundes im städtischen Bereich zu nutzen.

Was auf der freien Fläche schnell und gekonnt ausgearbeitet werden kann, dass ist in der engen Bebauung und den damit verbundenen Veränderungen der Geruchsverteilung sowie den alltäglich wechselnden Wind- wie auch Witterungsverhältnissen sehr schwierig. Da werden Entfernungen von nur wenigen 100m zu einer Aufgabe, die nicht immer erfolgversprechend ist.

Auf der unbebauten, weitläufigen Fläche ist die Luftbewegung in den meisten Fällen horizontal. Doch verändert sich die Richtung des Windes durch Beeinflussung anlässlich aufkommender, unterschiedlicher Bodenformen, -strukturen und auch thermischen Konvektionen.

Die starken Temperaturunterschiede zwischen Warm- und Kaltzonen verursachen Strömungen. Es kommt zu Turbulenzen, der Wind wird böig. Die Beschaffenheit des Stadtbereiches bündelt die auftretenden Strömungen. Eine Ausarbeitung einer Geruchsspur im städtischen Umfeld wird durch die „künstlich“ erzeugten Turbulenzen und Verwehungen im Anschluß einer Laufstrecke schwierig, da für uns nicht nachvollziehbar ist, wie sich der Geruch eines sich bewegenden Menschen in der Bebauung verteilt hat. Mit dem Wissen, dass der Hund aufgrund seiner Fähigkeiten eine Geruchsspur verfolgen kann, haben wir vor einigen Jahren dieses Phänomen gerade bei Ausarbeitungen in Stadtgebieten wahrgenommen. Es war nicht immer ersichtlich, warum gerade an stark verbauten Häuserformationen das zielgerichtete Ausarbeiten mit dem Hund nicht mehr funktionierte. Recht schnell es auch in völlig falsche Richtungen ging, in denen der zu Suchende nie gewesen ist. Der Hund selbst mit einer Überzeugung „arbeitete“.

Über die Jahre sind die Beeinflussungen deutlich geworden und es zeigt sich, dass die instinktgesteuerten Verhaltensweisen des Hundes eine wichtige Grundlage sind. Das Verständnis für den Partner Hund erlangt man nicht durch mannigfaltige Ausbildungsstrukturen, weniger noch unsere wissenden Manipulationen. Vielmehr haben gerade diese Manipulationen einen beschränkenden Charakter.

Kurze schnelle Sequenzen ermöglichen uns als Mensch die Fähigkeiten des Hundes zu erfassen. Das Training von Basics die wichtigste Voraussetzung in einem Miteinander, da nicht nur der Hund Wiederholungen braucht. Weitaus mehr braucht sie der am Ende der Leine.

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Erfahrungen der letzten Jahre

Auch wenn es momentan etwas still geworden ist, geht unser Training insbesondere der Grundlagen weiter. Das Lesen des Hundes endet zu keinem Zeitpunkt. Es muss in den begrenzten Verhaltensweisen gefestigt werden und an den verschiedensten Orten bei einer Suche abrufbar sein.

Wichtig bei all den kursierenden Hintergründen und Mythen den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren. Dem Hund wird der Job anhand der Ausbildungstools erklärt. Das Spiel ist einfach, schnell und verfolgt nur das Ziel den Hund auf die menschliche Spur zu bringen. Recht schnell muss der HF mit kleinere Übungen ohne Wissen des Weges Erfahrungen machen. Die immer wieder kehrende „Gerade mit einem Richtungswechsel“ bringt die Aha-Erlebnisse für den Menschen am Ende der Leine. Fühlen, sehen und auch Hören des Hundes sind wichtige Punkte, die im Training bei uns einen wichtigen Platz eingenommen haben. Das Zusammenspiel mehrerer Teams ein Muss, alleine kann man einen kilometerlangen Trailverlauf durch eine städtische Bebauung nicht leisten.

Die Ablenkungen und auch die unterschiedlichen Windverhältnisse bereiten einem so manches „Kopf zerbrechen“ und nicht immer ist es so klar zu erkennen, insbesondere wenn man nichts weis, wie nun der Trailverlauf ist. Schnell landet man in einer Richtung und ist der vollen Überzeugung, der Hund ist auf der Spur.

Weit gefehlt, wenn man den Hund nicht versteht und seine immer wiederkehrenden Verhaltensweisen in Bezug auf eine menschliche Spur setzen kann. Windverwirbelungen, „Kamineffekte“, „Sparbriefe“, Alter der Spur, Bebauung im Wechsel mit offenen Plätzen, andere Passanten, Straßenverkehr, Ablenkungen durch andere Tiere, Hunde bereiten erhebliche Schwierigkeiten und kein Trail, auch im gleichen Gebiet gelegt, gleicht dem anderen.

Das diesjährige Osterevent hat deutlich gemacht, dass es mehr braucht um erfolgreich zu sein. Trotz vieler Trainingseinheiten stösst man an seine Grenzen und nur in Kombination mit mehreren lassen sich umfangreiche Spurverläufe durch Negativabgrenzungen eingrenzen. Die Negative sind wichtige Indikatoren, wenn man die Verhaltensweisen des Hundes versteht und sie mit einer Trainingsstruktur festigen und verstärken kann.

Verstehen des Hundes

In den vorherigen Beiträgen sind wir auf die verschiedenen Figuren des hundlichen Verhaltens bei der Ausarbeitung von Spuren eingegangen.

Diese Verhaltensweisen wie bei der Fährtenarbeit beeinflussen zu wollen, bedingt immer, dass sich Fehlerquellen einschleifen. Das Kreisen des Hundes bei Verlust, die gezeigten Flowing Negatives, der Negativ an sich wie auch das Kopf heben und die Headturns sind wichtige Indikatoren um einen Spurverlauf rekonstruieren zu können.

Gerade in stark bebauten städtischen Bereichen bekommt man schnell Hinweise, die Vermutungen nahe legen, dass der Hund auf dem Trail ist.  Weit gefehlt, da durch die veränderten Witterungs- und Windbedingungen einige Unterschiede zur Ausarbeitung auf der freien Fläche entstehen.

Rückblickend haben wir über viele Jahre einiges an Wissen erlangt, dass eine Ausarbeitung vereinfacht.

Vom Welpen zum erwachsenen Hund

Seit langer Zeit beobachten wir gerade das Training mit Welpen. Der Hund mit seinen Fähigkeiten in einem rohen Zustand.

Hotch, seine ersten Schritte

Aus dem Nachlaufen wird in recht kurzer Zeit schon ein kleine Suchlage, die der Hund mit sichtlichem Interesse verfolgt. Durch das Nutzen dieses Ausbildungstools werden die Ressourcen des Hundes einfach nur auf die Spurlage gebracht.

Gerade bei den Welpen fällt sehr schnell auf, dass sie ohne große Beeinflussung deutlich Verhaltensweisen aufzeigen, die zu einem späteren Zeitpunkt bei dem ein oder anderen Trainingsansatz gänzlich missachtet werden. Mit Vorsetzen des Tools werden die eigenen Interessen des Hundes beschränkt und er kann sich seinen Fähigkeiten zum Spuren verfolgen hingeben. Es ist nicht gewünscht, dass der Hund sich verselbstständig, vielmehr wird das hier im Video gezeigte Verhalten in jedem Training an den unterschiedlichsten Örtlichkeiten erneut abgerufen. Die Facetten dieser Ausbildung reichen von den angereizten Motivationsübungen hin zu den unmotivierten Übungen.

Etwas zum warm werden

Das „Zeitfenster“ für den Bereich der Konzentration ist begrenzt, doch erstaunt es immer wieder, wie die Hunde auf bestimmte vorgesetzte Reize reagieren und den Verlauf einer Geruchsspur verfolgen. Selbst das aus dem Scent laufen wird deutlich gezeigt, genauso wie eine auf dem Laufweg stehende Person ignoriert wird.

 

The flowing negative

Wie man die Bewegungen des Hundes beschreiben soll, ist recht schwierig. Doch beschreibt der Ausdruck „flowing negative indication“ das Verhalten des Hundes auf den Punkt.

Es wird in den unterschiedlichsten Situationen im Verlauf einer Spur durch den Hund aufgezeigt. Je schneller er auf dem Trail sich bewegt umso deutlicher werden die Abgrenzungen des Verlaufs.

Für den HF deutliches Zeichen, dass der Hund bei seiner Arbeit ist und die Spur verfolgt. Durch die leichten „Schlangenbewegungen“ entlang des Spurverlaufs werden Richtungen ausgeschlossen und selber kann man eine Aussage zu dem Verlauf treffen.

Im urbanen Bereich werden durch diese leicht fließenden Negative die Zuwegungen in Richtung der Bebauung abgegrenzt. Für die Mine-Map ein wichtiger Hinweis, dass der Hund auf der Spur ist.

Verändert sich das Verhalten hinsichtlich vermehrt aufgezeigter Headturns, kann man anhand der Abgrenzungen schnell Rückschlüsse zu den Veränderungen treffen und den Hund in scentrelevante Bereiche zurückführen. Die zuvor angesprochenen Cutbacks grenzen das weitere Umfeld ab.

Hinweise durch Headturns im Speziellen

Betrachtet man nun den Hundekopf und die von dem Hund gezeigten Körperbewegungen während des Arbeitens, bekommt man recht viele Informationen, zusätzlich zu den negativen Abgrenzungen der beschriebenen Cutbacks sowie Kreisfiguren.

Es ist der Schlüssel zum Erfolg, um Rückschlüsse auf die unterschiedlichsten Teilbereiche des Erkennen und Verstehens hundlichen Verhaltensweisen bei der Ausarbeitung eines Trailverlaufs zu erhalten.  Es funktioniert auch in jedem anderen Bereich der speziellen Hundeausbildung. Da wären zum Beispiel für den Bereich des Trailens zu nennen:

1) das Prescenting; der NSI im speziellen wird nicht durch ein antrainiertes Verhalten aufgezeigt, der Hund zeigt nach dem ersten Präsentieren des SA vermehrt Headturns und „entspannt“ sich gänzlich bei dem zweiten präsentieren, wenn der zu suchende Scent nicht im Startbereich wahr zunehmen ist, sodass er an lockerer Leine nach dem Startritual einen Anfangskreis dreht.

2) das Unterscheidung eines „guten“ oder „schlechten“ Scentartikels. Hier kommt es zum Ablaufen von Bereichen mit vielen Headturns und tiefer Kopfhaltung. Wird es weitläufiger, da der Hf die Situation nicht erkennt, geht der Hund mit hohem Kopf auf die Suche nach Scent. Es zeichnen sich Figuren ab, häufig erreicht man wieder den eigentlichen Startpunkt.

3) jedwede Veränderung der Fokussierung, durch Bebauung, durch Wetterbesonderheiten, durch Windverhältnisse, durch Thermik wird durch Headturns begleitet. Je nach Kopfhaltung wird es deutlich eingegrenzt. Das „Ausarbeiten“ wird schwierig, da der Hund im engeren Bereich kleben bleibt.

4) auch zeigt sich durch beginnende Headturns im Verlauf des Trail ein Zielgebiet.

5) kommt man ins Zielgebiet der zu suchenden Person, werden dort befindliche Personen durch Headturn gecheckt. Je nach Aufenthaltdauer ergeben sich dort auch keine zielgerichteten IDs, vielmehr werden durch die Headturns Bereiche aufgezeigt, die für den Hund interessant sind.

6) Scentpools sowie Anlagerungen von Scent an Bebauungen, Gebäuden, Heckenbereichen, Walddickungen zeigen sich durch die Kopfbewegungen gefolgt von Cutbacks

Beispiele wären noch viele zu nennen, doch ist die Umsetzung durch den Hf das größte Problem. Den Hund auf seinen Job zu bringen ist recht einfach, ihn auch dann zu verstehen, wenn man es nicht weis ein großer Schritt. Man kann für sich eine „Technik“ erlernen, auch kann diese „Technik“ nach geraumer Zeit des Trainings angewendet werden, doch reagiert jeder Hund darauf anders, da der Hf durch Interpretationen und seiner eigenen Körpersprache einen großen Einfluss auf das Arbeitsverhalten des Hundes nimmt. Etwas rekonstruieren zu können ist gerade im Bereich des Trailens ein entscheidender Grund ein wertvolles Ermittlerteam zu werden.

Den über Jahre gepflegten Kontrollzwang aufgeben und sich dem Hund angleichen, mit ihm arbeiten und intuitiv mit dem entsprechenden Bauchgefühl besonders bei unbekannten Trainingseinheiten auf sein Verhalten handeln zu können und ihn nicht zu behindern, erfordert ein hohes Maß an Verständnis und ein gut durchdachtes Trainingssystem.

Headturns

Der Hund zeigt bei seiner Arbeit Kopfbewegungen, die wichtige Informationen für den Hf nach sich ziehen. Die Bewegungen zeigen auf, dass der Hund arbeitet. Je nach Intensität der Kopfbewegungen eliminieren diese eine Richtung oder weisen eine Richtung zu, die Beachtung in der Mine-Map findet.

Schlussendlich zeigen die Kopfbewegungen an, dass der Hund arbeitet und sich mit den wahrgenommenen Gerüchen auseinandersetzt. Er testet und differenziert.

In wieweit er fokussiert seinen Job macht, bleibt über einen langen Zeitraum eine Fragestellung für den Hf. Drum ist es wichtig das Warum der Kopfbewegung sich zu verdeutlichen indem man selbst einen Blick in die Richtung nimmt. Es in der Mind-Map speichert  und anschließend das weitere Verhalten des Hundes beobachtet.

Zu den Unterschieden, die auch nicht pauschalisiert werden können, doch für das Auswerten des hundlichen Verhaltens wichtig sind:

– Durch die Kopfbewegungen werden zum einen geruchliche Ablenkungen (trash scent) angezeigt, die der Hund bei seiner Ausarbeitung wahrnimmt. Bei den wahrgenommenen geruchlichen Ablenkung ist es nur eine einfache Kopfbewegung. Im Verhalten des Hundes und seinem Vorwärtsdrang ändert sich nichts. Der Hund setzt seinen Weg ohne Unterbrechungen fort.

– Wendet der Hund den Kopf recht häufig in eine Richtung und tested Gerüche aus, ist es ein Hinweis auf eine Richtungsänderung sowie ein für den Hund nicht leicht zu lösendes Problem. Die Körpersprache verändert sich in der Form, dass der Hund seine Aufmerksamkeit deutlich verlagert, sich aufgrund von verschiedenen Faktoren, wie Bebauung und Geländestrukturen, Windverhältnissen und Thermik, nicht sicher ist.

In diesen Situationen kommt es häufig zu  unterschiedlich Verhaltensweisen. Zum einen hebt der Hund den Kopf deutlich aus dem „Trailverhalten“. Bei einem Verlust oder auch Problem kontrolliert er die Umgebung mit tiefer Nase. Er zeigt deutliche Cutbacks.

Hat man diese Verhaltensweisen übersehen, dann verliert man als Hf schnell den Überblick über die Situation und den schon sicher geglaubten Trailverlauf. Es beginnt eine Suche nach der richtigen Richtung. Ist der Hund sicher, kommen schnell  die gewünschten Negativierungen von Richtungen und es kann sich neu orientieren werden.

Ist der Hund nicht sicher, dann geht es schnell in die Suche nach Scent, die vielfach unkontrolliert und ähnlich dem Trailverhalten ist. Der gänzliche Richtungsverlust und eine spätere sichere Aussage über die Informationen ist nicht mehr möglich.

Vielfach werden den Headturns wenig Beachtung geschenkt, da sie unterschiedlich interpretiert werden. Aufgrund der genutzten Motivationsarbeit werden die Unterschiede und Intensitäten der gezeigten Kopfbewegungen verdeutlicht. Es gilt sie zu beachten, da je nach Aufkommen sich das Verhalten des Hundes verändert.

 

 

 

 

hundliche Verhaltensweisen erkennen